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Dienstag, 22. November 2016

"The Creeping Flesh" Gothic Horror vom Feinsten mit den Gentlemen des Gruselkinos

Der deutsche Titel  lautet "Nachts, wenn das Skelett erwacht" und klingt nach trashigem 1970er Jahre-Horror. Gedreht 1972, also lange nach den glorreichen Hammer-Movies aus den 1950ern, habe ich nicht allzu viel erwartet. Aber ich muss sagen, ich habe mich sehr gut unterhalten und auch wenn der Film nicht wirklich gruselig ist mit seinen damaligen Tricktechniken und dem unvermeidlichen Pappmachee-Charme, fand ich die Darsteller überzeugend und die Geschichte ziemlich originell.


"Nur ein kleiner Pieks. Keine Angst, ich habe geübt."

 Story: 1893: Der Forscher und Wissenschaftler Emmanuel Hildern (Peter Cushing) bringt von einer seiner Forschungsreisen ein monströses Skelett aus Neuginea mit ins viktorianische England. Er findet mit Hilfe alter Bücher heraus, dass dieses Skelett das Böse in sich trägt und beginnt damit, ein Serum dagegen zu entwickeln. Sollte er erfolgreich sein, könnte er - so glaubt Emmanuel - die Menschheit vom Bösen befreien. Das hat auch einen persönlichen Grund: seine Frau wurde wahnsinnig und vegetiert seit Jahren in der Irrenanstalt seines Halbbruders James (Christopher Lee) vor sich  hin. Emmanuels Tocher Penelope weiß davon nichts und glaubt, ihre Mutter sei schon lange tot. Tatsächlich erhält Emmanuel nach seiner Rückkehr die Nachricht, dass seine Frau kürzlich verstorben ist. Er versucht, es vor Penelope geheimzuhalten, doch sie erfährt davon und regt sich dermaßen darüber auf, dass Emmanuel fürchtet, sie könnte wahnsinnig werden wie die Mutter. Er spritzt ihr das Serum, in der Hoffnung, dass es das "Böse" besiegt und Penelope vom Wahnsinn verschont bliebt.

Dummerweise ein Schnellschuss, denn das Böse lässt sich nicht mit einer kleinen Spritze aufhalten. Penelope entwickelt kriminelle Energie und bringt zwei Männer um, bevor sie zu Onkel James ins Irrenhaus gebracht wird. James findet heraus, woran sein Bruder arbeitet, und ist selbst interessiert an dem mysteriösen Knochenfund. Er lässt es aus Emmanuels Labor stehlen, was aber ziemlich schiefgeht (merke: nur ein knochentrockenes Skelett ist ein gutes Skelett). Nachdem das wiederauferstandene Böse seinen linken Mittelfinger von Emmanuel zurückfordert, den dieser für Proben analysiert hat, verliert Emmanuel den Verstand und landet in einer Zelle im Irrenhaus seines ehrgeizigen Bruders... und es bleibt mehr oder weniger dem Zuschauer überlassen, wer von den beiden Brüdern der Wahnsinnige ist.


"Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?"

Mir hat der Film gut gefallen, was nicht zuletzt an den beiden großen Herren des britischen Horrorkinos liegt. Mit welcher Überzeugung und Ernsthaftigkeit die beiden in einem relativ dünnen Plot spielen, das macht einfach Spaß. Und es ist einer der wenigen Filme, die den Charme der Hammer-Filme in die 70er gerettet haben. Zudem wartet "The Creeping Flesh" mit sämtlichen Zutaten klassischer Gothic-Geschichten auf, die in den überwiegend klamottigen 1970er Jahren eigentlich gar nicht mehr in Mode waren. Dadurch wirkt der Film erfrischend zeitlos, sogar fast modern und ein bisschen, als könnte er heute noch ohne allzu große Veränderungen ein Remake vertragen. Dann allerdings leider ohne die beiden charismatischen Hauptdarsteller - und das gäbe schon einen Stern weniger.

Fazit: Wirklich empfehlenswert für alle, die mehr auf Atmosphäre als auf Gemetzel stehen und sich nicht an antiquierten Tricktechniken stören.


Bewertung: 

 


Freitag, 18. November 2016

Arty Farty: High-Rise von Ben Wheatley (2015) Review

Nachdem ich den Film im Kino verpasst habe, habe ich das Anschauen heute auf DVD nachgeholt. Hauptgrund war Tom Hiddleston (den neckischen Trailer mit den Stewardessen im Flur fand ich herrlich!), und normalerweise verzeihe ich einem Film einiges, wenn mir zumindest einer der Darsteller sympathisch ist. Aber High Rise schafft es nicht mal ansatzweise, eine einigermaßen schlüssige Story zu erzählen, was vielleicht auch an der eher zähen Buchvorlage (Achtung Gesellschaftskritik im 70er Jahre-Stil!) liegen kann. Nach einer halben Stunde habe ich das Ende herbeigesehnt, und das passiert mir wirklich nicht oft. Ich mag bizarres Kino und habe nichts gegen Satire, aber hier hatte ich echt das Gefühl, einen eigentlich zehnstündigen Arthaus-Film anzuschauen, den man auf gnädige zweieinhalb Stunden zusammengeschnitten hat.





Zur Story (soweit es eine gibt): England, in den 1970er Jahren. Der Arzt Robert Laing zieht in ein modernes Hochhaus, das irgendwie eine Klassengesellschaft repräsentiert: ganz unten der Pöbel, oben die Superreichen. Er selbst lebt im 25. Stock, also irgendwo dazwischen. Auf dem Dach hat sich der Architekt Royal (Jeremy "Ich bin alt aber sah mal toll aus und möchte, dass der Zuschauer sich dessen bewusst ist" Irons) eingenistet, nebst Gattin, Pferd und Schaf. Laine macht schnell Bekanntschaft  mit beiden Seiten: er besucht Parties der Upper Class, bei denen psychedelische ABBA-Lieder gespielt werden, und fängt auch rasch mal ein paar Affären an, weil Freie Liebe und so. Als im Gebäude der Strom ausfällt und / oder der Pool für private Vergnügungen genutzt wird, sorgt das für Unmut, und es liegt Revolte in der Luft. Der Frust entlädt sich, als Laing einem Kollegen mitteilt, unheilbar krank zu sein und dieser sich aus dem 39. Stock stürzt.




Statt  freier Liebe entfesselt dieses Ereignis das Tier im Menschen, und plötzlich gehen alle aufeinander los. Laing prügelt sich im Supermarkt um einen Eimer Farbe, weil es dort außer Hundefutter und verfaultem Obst sonst nichts mehr wirklich Brauchbares gibt. Nachdem er seine Wohnung (Achtung Metapher!) himmelblau angestrichen hat, treibt er es mit der hochschwangeren Bewohnerin aus der untersten Etage. Deren Mann (Luke Evans mit den haarigsten Koteletten ever) stellt derweil Royal nach, um eine Enthüllungsstory über ihn zu drehen. Am Schluss sind alle tot und Laing grillt einen Hund auf seinem Balkon. Klingt seltsam, ist es auch. Spaß hatten die Beteiligten bestimmt, mir als Zuschauer ging es aber irgendwie so wie einem Erwachsenen mitten im Kindergeburtstag. Wer auf zusammenhanglose Szenen, pseudo-intellektueller Sozialkritik und Retro-70er Jahre-Flair steht, kommt vielleicht noch ein bisschen auf seine Kosten. Ein neckisch die Hüften schwingender Tom Hiddleston mit einer Combo Stewardessen hat mir jedenfalls nicht ausgereicht.

Oopsie! Harte Worte.



Bewertung:


und ein halber




für den goldigen Hiddles und seinen Luxusbody, von dem man in diesem Film erstaunlicherweise mal nicht die blanke Hinterseite sah (hätte in dem Fall aber auch nichts mehr gerettet).




Sonntag, 30. Oktober 2016

Ziemlich strange: "Doctor Strange" (Review)

Drei Tage ist es her, dass ich den Film gesehen habe. Normalerweise setze ich mich sofort hin, um meine Meinung zu Kinofilmen zu verfassen; diesmal war ich mir unschlüssig, wie und ob ich den heißersehnten neuen Marvel mit Benedict Cumberbatch als Zauberlehrling überhaupt bewerten soll. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass er anders sein soll als die anderen, actionlastigen Comic-Realverfilmungen, aber irgendwie konnte ich im Vergleich keinen rechten Unterschied feststellen. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht gut unterhalten gefühlt und an einem fantastischen Hauptdarsteller erfreut habe. Vom Hocker gerissen hat mich der "LSD-Trip in 3D" allerdings auch nicht.


"Follow my finger with your eyes!"


Die an sich simple Geschichte hatte gute Ansätze, die auch, wie von Marvel gewohnt, bombastisch gut umgesetzt wurden. Der arrogante und von sich selbst überzeugte Neurochirurg Dr. Steven Strange erleidet einen schweren Autounfall, bei dem seine kostbaren Hände zu Matsch werden. Er hört von einer Heilerin in Nepal (Tilda Swinton) und begibt sich sofort dorthin. Am Ziel angekommen, wird er in verschiedenen Zaubertechniken unterwiesen und erfährt - Schockschwerenot! -, dass es mehr Realitäten gibt als seine eigene. Doch er kommt auch hinter das dunkle Geheimnis der Meisterin und muss - Überraschung - die Welt retten, nachdem die drei Tempel der Weltenwächter vom bösen Mads Mikkelsen bedroht werden, der auf der Suche nach dem ewigen Leben ist (hatten wir das nicht erst neulich? Egal...). Nach etlichen Slapstickeinlagen, freiwilliger Komik und elegant-sphärischem Herumschweben im Multiuniversum gelingt es ihm, sich als Torwächter und überlegener Zauberer zu beweisen.

Meinung: Vielleicht habe ich mir ein bisschen viel versprochen. Das lag allein schon am süßen Benedict Cumberbatch, der seine Sache gut gemacht, aber m. M nach besser hätte machen können. Richtig warm wurde ich mit Dr. Strange nicht; dafür war er mir zu sehr eine Mischung aus Sherlock und "Dr. House". Einerseits witzig, andererseits oberflächlich und wenig bis gar nicht charismatisch. Aber das sei ihm verziehen, denn schließlich handelt der Film von den Anfängen des großen Dr. Strange, so dass in weiteren Teilen durchaus noch Luft nach oben ist betreffs Charakterentwicklung. Die Nebendarsteller sind dennoch neben ihm und den Effekten fast ein bisschen verblasst. Vor allem Mads Mikkelsen als Schurke hat mich enttäuscht. Super: der Umhang, der sich Dr. Strange "erwählt", ein Eigenleben hat und somit für die besten komischen Szenen des Filmes sorgt.


Steven Strange und Christine aka Sherlock und Molly


Auch interessant: Dr. Strange lernt mehr oder weniger autodidaktisch, die Zeit zu beeinflussen. Tricktechnisch einfach toll! Die Szene mit dem Apfel und dem Buch mit den fehlenden Seiten gehörte zu meinen Highlights. Leider nervte es dagegen, als Dr. Strange sich für die Menschen und den Tempel in Hongkong opfert - beim fünften Mal musste ich schon verhalten gähnen. Überhaupt: Streckenweise gab es Längen, doch auch das kennt man ja von Marvel und dürfte für den Fan nicht wirklich ein Kritikpunkt sein (ich bin keiner - Fan, nicht Kritikpunkt).

Vielversprechend für alle Fangirls: In der legendären ersten Schluss-Sequenz trifft sich Dr. Strange mit Hemsworth-Thor in New York und redet mit ihm bei wie von Zauberhand stets voll gefüllten Gläsern über: LOKI!!! Nun sind ja die meisten Cumberbatch-Fans ebenfalls für dessen Kumpel Tom Hiddleston / Loki entflammt, so dass die Aussicht, beide als Gegenspieler im Duell der Marvel-Magier antreten zu lassen, schon ein raffinierter Köder ist. Einer jedoch, den selbst ich mit Wohlwollen schlucken würde. ;)




Fazit: Spitzenmäßige Effekte wie Städte in auseinanderklaffender Kaleidoskop-Optik in eine durchschnittliche und nicht ganz neue Fantasy-Story verpackt. Nett für einen Abend und einen Eimer Popcorn. Wer glaubt, mit Weltanschauungsphilosophien wie in Matrix, Inception oder Lucy nachdenklich gestimmt zu werden, ist fehl am (Kino-)Platz. Zwar habe ich von einer Comicverfilmung nichts wirklich Tiefsinniges erwartet und wurde daher in dieser Hinsicht nicht enttäuscht, doch den Hype um "Dr. Strange" finde ich irgendwie schon ziemlich strange.

 Bewertung: Großzügige

  und ein halber


Sonntag, 23. Oktober 2016

Gratis-Download Rezensionsexemplare von "Das Bildnis des Grafen"

Für zwischendurch gibt es mal wieder eine kleine Aktion von mir: bis zum 26. Oktober könnt ihr euch Gratis-Lesefutter für den Herbst besorgen.




Alles, was ihr tun müsst, ist, euch bei Xinxii kostenlos registrieren und beim Ausloggen folgenden Gutscheincode einlösen:

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Mit der Teilnahme an der Aktion und dem Registrieren bei Xinxii verpflichtet ihr euch zu nichts - außer zum Entdecken einer Menge toller ebooks und natürlich zum Lesen meines Debütromans. Eine Rezension auf Amazon, Xinxii, eurem Blog und / oder Bücherforen würde mich sehr freuen, wenn euch "Das Bildnis des Grafen" gefallen hat. 

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim Rästeln, Mitfiebern und Nägelkauen... ;)




Bildquelle: Pinterest

Samstag, 22. Oktober 2016

Halloween Tipps in Buch und Film

Der Herbst hat uns ja wieder so richtig im Griff: prasselnder Regen, eisiger Wind und rotgolden leuchtende Blätter bestimmen Wetter und Straßenbild.

Und obwohl ich eindeutiger Sommermensch bin und nichts dagegen hätte, 365 Tage im Jahr in Shorts und Flipflops bei tropischen Temperaturen herumzuhüpfen, kann ich der düsteren Jahreszeit mit ein bisschen Mühe etwas Positives abtrotzen: die langen Schmöker- und Fernsehabende, am liebsten zu zweit unter einer Kuscheldecke und einer Kanne Tee.

Daher habe ich ein kleines Video mit meinen Lieblingen - passend zum Thema Halloween - zusammengestellt. Vielleicht kennt ihr ja den einen oder anderen noch nicht und werdet neugierig auf meine Tipps.





Welches ist denn euer Halloween-Schmankerl? Schreibt mir einen echt gruseligen Roman oder Film in den Kommentarbereich, wenn euch etwas einfällt.


Mittwoch, 19. Oktober 2016

Review "Die Insel der besonderen Kinder" (Tim Burton, 2016)

Endlich scheint mein Vorsatz zu klappen, öfter ins Kino zu gehen, so wie gestern in die Buchverfilmung von Ransom Riggs. Von dem Roman habe ich zwar öfter schon gehört, ihn aber nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob sich Tim Burtons neuestes Werk detailgetreu daran hält oder er sich einige Freiheiten erlaubt hat, die mir nicht ganz klar waren. Jedenfalls habe ich mich gut unterhalten, und der Film war originell, mit gigantischen Effekten und tollen Darstellern. Allerdings fehlte mir ein bisschen das gewisse Etwas, das die früheren Tim Burtons auszeichnet, wie z.B. "Edward mit den Scherenhänden."




Handlung: Der sechzehnjährige Jacob Portman lebt in Florida, ist ein Außenseiter und hat eine besondere Beziehung zu seinem Großvater Abe, der ihm als kleinem Jungen Geschichten erzählt hat, die Jakes Eltern für eine Ausschmückung der Geschehnisse im zweiten Weltkrieg halten. Eines Nachts findet der Enkel ihn ohne Augen hinter seinem Bungalow und kann gerade noch ein schreckliches Monster durch den Wald laufen sehen, das es offensichtlich auf den Großvater abgesehen hatte. Bevor er stirbt, teilt Abe Jake noch mit, dass er zu Miss Peregrine nach Wales gehen soll und sie ihm alles erklären wird.

Der Tod des geliebten Opas löst eine Depression in Jake aus, deretwegen er sich in psychiatrische Behandlung begeben muss. Da die Alpträume nicht nachlassen, rät die Psychologin Jake, eine Reise nach Wales zu unternehmen, um sein Trauma bewältigen zu können. Gemeinsam mit seinem Vater befolgt Jake den Rat und erlebt seltsame Dinge auf der Insel Cairnholmes. Er lernt die besonderen Kinder kennen - sie altern nicht und nehmen Jake mit in eine Zeitschleife, in der sich unaufhörlich ein Tag im September 1943 wiederholt; der Tag, an dem Miss Peregrines Kinderheim bombardiert wurde. Miss Peregrine stellt die Zeitschleife selbst her und kann so sich und die Kinder beschützen. Nicht jedoch vor einer Gruppe "Hollows", die einst ebenfalls besondere Kinder waren und durch eigene Experimente "misslungen" und nun böse sind. Sie sind auf der Jagd nach Augen, die sie essen müssen, um ihre Suche nach dem ewigen Leben fortsetzen zu können. Dank Jakes Fähigkeit, die an sich unsichtbaren Monster sehen zu können,  kommt es zum Kampf zwischen den Hollows und den besonderen Kindern. Als dieser nach dem Durchtreten diverser Zeitschleifen gewonnen wird, hat Jake seinen Großvater retten können, kann durch die Zeit reisen und hat außerdem die Liebe seines Lebens gefunden: die leichtgewichtige Emma, die nur dank Bleischuhen nicht den Boden unter den Füßen verliert.

Überhaupt sind alle Kinder in Miss Peregines Heim tatsächlich außergewöhnlich. Natürlich passt da auch der in der gewöhnlichen Welt als Sonderling geltende Jake hinein - wie sein Großvater vor ihm.





Meinung: Wie bereits erwähnt, fand ich den Film sehr unterhaltsam. Überraschend ist er und voller Ideen, die mich zum Staunen und auch zum Gruseln gebracht haben. Mein Highlight war das Schiffswrack RMS Augusta, das durch die luftige Emma und den vereinten Kräften der allesamt schnuckeligen Kinder wieder fahrtüchtig gemacht wurde. Wahnsinn, wie viel Detailgenauigkeit da drinsteckt! Aber irgendwas an der Geschichte war nicht ganz rund. Ich bin es eigentlich von Tim Burton gewohnt, dass er bittersüße Gefühle weckt (vielleicht auch durch Danny Elfmans zauberhaften Soundtrack, der hier fehlt), und das war in keiner einzigen Szene der Fall. Technisch super und einwandfrei gespielt, mangelt es der Insel der besonderen Kinder m. M. nach an Tiefe und märchenhaft rührenden Momenten. Auch war ich unzufrieden mit dem Schicksal des armen Victor, der später, als sich die Zeitschleife auf Cairnsholmes auflöst, mit keiner Silbe mehr erwähnt wird. Was hätte ich mich gefreut, wenn er ebenfalls den Hollows entkommen wäre! Vielleicht wird im Buch genauer auf ihn eingegangen ebenso wie auf Grandpa Portmans Vergangenheit. Aber um das herauszufinden, müsste ich es lesen... und ich bin mir nicht sicher, ob mir der Film in diesem Maß Lust darauf gemacht hat. Teilweise fand ich die Horror-Effekte für Kinder auch zu krass - ich konnte selbst kaum die Augen schließen in der Nacht aus Angst, jemand reißt sie mit rosaroten Tentakeln heraus.


Bewertung:

und ein halber



Montag, 12. September 2016

Rezension "Der Kastrat" von Richard Harvell

Kurzbeschreibung Amazon: Hoch in den Schweizer Alpen, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, nimmt eine unglaubliche Geschichte ihren Anfang: Moses Froben erblickt als uneheliches Kind das Licht der Welt. Der Dorfpfarrer muss fürchten, als Vater entlarvt zu werden, und stößt den Jungen in einen Gebirgsbach. Moses wird gerettet und kommt in die Abtei St. Gallen, wo er zum Meistersänger des Chores heranreift. Dann wird er kastriert, damit seine Engelsstimme erhalten bleibt. Und Moses feiert Erfolge auf Europas Bühnen. Aber ein Geheimnis bleibt: Wie kam der weltbekannte Kastrat zu einem Sohn?

›Der Kastrat‹ ist die hinreißende Lebensbeichte eines unwahrscheinlichen Liebhabers, eines Mannes mit der Stimme eines Engels, dessen Gehör zum tragischen Fluch wie auch zum größten Segen seines Lebens wurde.



Inhalt und Meinung: Zunächst einmal etwas zum Klappentext, und das wird der einzige Kritikpunkt sein, den ich anzubringen habe: Er klingt reißerisch und wird den leisen und doch lauten Tönen des Romans nicht gerecht. Jedes Kind, das der Zielgruppe von Lesern angehört, weiß, dass Kastraten keine solchen zeugen können, und es ist daher auch beileibe kein Geheimnis, dass Moses das Kind eines anderen "Sohn" nennt. Aber die Mutter ist nicht irgendeine; es ist Amalia Riecher, geborene Duft, die Liebe seines Lebens. Doch vor lauter Begeisterung greife ich vor. Allerdings ist es gar nicht leicht, diesen ungewöhnlichen und doch so klar und einfach erzählten Roman - die fiktive Biografie des Erzählers Moses - zu beschreiben.

Die Geschichte beginnt mit Moses' tauber Mutter, die in einem Schweizer Bergdorf die Glocken läutet und im Glockenturm wohnt. Der Klang ist etwas Besonderes für sie, weil sie ihn im ganzen Körper spüren kann - eine Eigenschaft, die sie ihrem kleinen Sohn weitergibt, der namenlos bleibt, bis er von den Mönchen Nikolai und Remus aus einem reißenden Fluss gerettet und adoptiert wird. Vor allem mit Nikolai freundet sich der schweigsame Junge an, er bewundert ihn und wird von ihm beschützt, als er im Kloster von St. Gallen ein neues Zuhause findet. Genauer gesagt, wird er dort geduldet; die Chorknaben verspotten ihn aufgrund seiner schönen Stimme und finden in ihm ein Opfer ihrer grausamen Streiche. Der Chorleiter erkennt Moses' Stimmwunder und fördert ihn; als er zehn Jahre alt ist, lässt er ihn heimlich kastrieren, damit er seine Stimme nicht verliert.

Erst Jahre später findet Nikolai es heraus und rächt sich furchtbar an Chorleiter Ulrich, der fortan des Klosters verstoßen wird, ebenso wie die beiden Mönche. Moses erhält die "Gnade", Novize zu werden, da sich für ihn laut Aussage des Abtes die Frage nicht stellt, ob er weltlicher Liebe entsagen kann. Außerdem würde ihn ohnehin keiner haben wollen. Aber es gibt jemanden: Amalia Duft, die Moses bereits seit Kindertagen kennt. Doch Moses schämt sich. Er ist ein "halber Mann mit dem Gesicht eines Engels" und daher darf Amalia ihn bei ihren heimlichen nächtlichen Treffen nicht ansehen. Trotzdem kann man in jeder Zeile lesen, wie sehr sich die beiden lieben. Für mich wurde schon bald klar, dass Amalia recht früh um Moses' Geheimnis wusste und ihn dennoch zu keiner Zeit deswegen verachtet oder belächelt hat - ebenso wie Moses ganz sicher war, dass Amaila trotz eines steifen Beines die Frau seines Lebens ist.

Und das war für mich irgendwie der Schlüssel und die Schönheit des Buches. Ohne großes Gewese oder Kitsch wird eine Liebesgeschichte erzählt, die tief zu Herzen geht und trotz der oft schlimmen Dinge, die Moses widerfahren, mit Humor und (Selbst-)Ironie gewürzt ist. Als Moses unter beschwerlichen Bedingungen nach Wien reist, um die dort reich verheiratete Amalia ausfindig zu machen, musste ich über seine Unerfahrenheit und seinen Sinn fürs Unpraktische manchmal schmunzeln, und man möchte ihn manchmal einfach in die Arme nehmen und ihm übers Haar streichen. Mir gefallen Protagonisten, die nicht perfekt, aber liebenswert und gelegentlich auch unsicher sind, und Moses ist einer der wenigen dieser Sorte. Er trifft einen weiteren "Bruder des Messers", seinen Maestro, der ihn zum professionellen Opernsänger ausbildet. Doch Amalia verliert Moses nie aus den Augen.

Im wahren Leben, das er im Rückblick seinem Sohn erzählt, ist er eher schweigsam und ein stiller Beobachter von Klängen, oft ungeschickt und weltfremd, doch der Autor Richard Harvell schreibt ihn in poetischen, eloquenten und anrührenden Sätzen nieder, lässt ihn ein wenig wie einen Sonderling wirken und dann doch wieder wie jemand, der das möchte, was alle wollen und dafür bereit wäre, auf alle Reichtümer und Gaben dieser Erde zu verzichten. Da ihm und Amalia kein langes Glück beschieden ist (das ich den beiden von Herzen gegönnt hätte), liebt er ihren Sohn wie seinen eigenen.

Fazit: Ein toller Roman, unaufdringlich, gefühlvoll, ungekünstelt und trotzdem von großer Sprachgewalt, die mich als Leser am Ende sprachlos gelassen hat. Eine absolute Leseempfehlung!



Bewertung:              


Montag, 29. August 2016

Review "Wuthering Heights" (1992) nach Emily Bronte

Momentan versuche ich mich an den englischen Klassikern. Es ist ein bisschen beschämend, wenn man als quasi anglophile Autorin die Brontes und Jane Austen nur vom Hörensagen kennt. Das im Titel genannte Buch habe ich tatsächlich irgendwann mal angefangen zu lesen - und wieder aufgegeben. So sehr es wohl zu Recht ein Klassiker ist, konnte es mich nicht wirklich fesseln. Da ich aber wie die Brontes eine Vorliebe habe für einsame, schaurige Gegenden, menschliche Abgründe und dramatische Wendungen, habe ich es bequemerweise mit der Verfilmung probiert, die sich nahe an die Vorlage hält. Ralph Fiennes als Heathcliff hat seinen Teil dazu beigetragen, aber nicht wirklich geholfen, was mein Verständnis für den Stoff respektive meine Begeisterung entfacht hätte. Ich glaube fast, es ist für mich kein Versäumnis, bei britisch-literarischem Allgemeinwissen nicht zu punkten. Außer für den unwahrscheinlichen Fall, ich säße mal bei einer Quizsendung auf dem heißen Stuhl.




Die doch recht simple Handlung hat sich mir nicht im Detail eingeprägt, leider. In Emily Brontes Roman geht es um Rache und alles verzehrende Liebe, die doch keusch bleiben muss, und ich fragte mich die ganze Zeit, weshalb, waren Catherine Earnshaw (Juliette Binoche) und Heathclifff doch gar keine leiblichen Geschwister, nicht einmal entfernt miteinander verwandt. Warum die Tussi ihn nicht haben wollte und stattdessen den faden Edward geheiratet hat, blieb mir ein Rätsel. Immerhin haben sich beide in schwülstigen Ergüssen seit Kindesbeinen ihre Liebe zueinander geschworen, und was macht's, dass Heathcliff ein Zigeuner ist? Oder habe ich etwas Wichtiges verpasst?

Jedenfalls kommt seine Rache für die stumme Zurückweisung über die gesamte Familie, wenn er nicht gerade die Diva spielt und sich gekränkt zurückzieht. Die Sprache fand ich gewöhnungsbedürftig, die Dialoge fast zu symbolträchtig für alles Kommende ("Wenn du mich noch einmal küsst, Heathcliff, dann sterbe ich." - und so war es.). Catherine segnet das Zeitliche natürlich im Kindbett wie alle anderen schwangeren Frauen im Roman. Siebzehn Jahre später ergreift Heathcliff die Gelegenheit, ihre Tochter zu kidnappen, nachdem er sich bereits Hareton, den Sohn von Catherines leiblichem Bruder Hindley, unter den Nagel gerissen hat, seines Zeichens legitimer Erbe von "Wuthering Heights", was dieser jedoch nicht weiß. Ziemlich perfide, vor allem, da Heathcliff Catherines Tochter aus Habsucht mit seinen eigenen Spross zwangsverheiratet, der dem frühen Tod geweiht ist wie alle Protagonisten. Denn Heathcliffs Handeln bleibt nicht ungesühnt: als ein zufälliger Besucher von einer merkwürdigen Erscheinung des Nachts im Anwesen berichtet, weiß er sofort, dass es sich um Catherines Geist handelt, die ihn zu sich lockt. Sein Ende wird als Unfall dargestellt, und für Catherines Catherine und Hindleys Hareton beginnt ein neues Leben... (und *das* wäre doch skandalöser als eine Verbindung zwischen Catherine Earnshaw I. und Heathcliff, oder? Immerhin sind die beiden Cousin und Cousine.)




Nun muss ich mir ein wenig weibliche Oberflächlichkeit zugestehen: Trotz der schlecht sitzenden Perücke oder den lieblos angeknüpften Extentions war Ralph Fiennes ein Hingucker in dem zeitgenössischen Gehrock. Außerdem war er zu Prä-Voldemort-Zeiten einer der international gefragtesten Schauspieler auf der Bühne und im Film, und auch das hat seinen Grund. Der verschlossene und eifersüchtige Heathcliff agiert und reagiert nicht sympathisch, aber nachvollziehbar, während mir Catherine wie eine Parodie einer Frau vorkam, die in den 1800ern unabhängig dargestellt werden sollte. Viel zu aufdringlich und spöttisch, und dabei keine Spur mitfühlend, finde ich, hat sie ihr Schicksal selbst heraufbeschworen. Sympathiepunkte gab es bei mir keine. Dass ihre Tochter charakterlich in diesselbe Kerbe schlägt, war mir ein bisschen zu klischeebeladen. Schwamm drüber. Sobald sie Haretons Kind zur Welt gebracht hat, wird sie eh ins Gras beißen... wetten?

"Wuthering Heights" war mir zu morbid und zu wenig hoffnungsvoll, obwohl ich immer noch glaube, dass ich Emily und Charlotte gern mal zum Tee eingeladen hätte und wir nett miteinander hätten plaudern können. Mir gefällt, dass sie glaubwürdig Männer wie Heathcliff und Mr. Rochester aus "Jane Eyre" porträtieren, die Fehler und Unsicherheiten hatten, was selbst heute noch - besonders für weibliche Schriftsteller - eher die Ausnahme ist. Auch die unheimlichen Elemente finden meine Zustimmung und wecken mein Interesse an ihren Werken. Insofern liegen die Brontes mir näher als z.B. Jane Austen mit ihrem perfekten Mr. Darcy. Aber um mir da ein genaues Urteil bilden zu können, werde ich wohl mal einen ihrer Romane lesen müssen. Oder eine der unzähligen BBC-Verfilmungen anschauen.

Bewertung:


Bildquelle: Pinterest




Dienstag, 16. August 2016

Rezension "Die Überfahrt" ~ Joseph O'Connor (leichte Spoiler!)

Romane über (fiktive) Schiffsfahrten in vergangenen Zeiten liebe ich. Mein Lieblingsbuch in dieser Hinsicht ist "To the Ends of the Earth" von William Golding, zu dem es eine grandiose BBC-Verfilmung in drei Teilen gibt. Man lernt viel über die Charaktere der Passagiere, leidet mit ihnen, kann sich viele eigene Gedanken zum Geschehen auf engstem Raum machen und wie man selbst als Schiffsreisender gehandelt hätte (und ist dann froh, dass es heute bequemere Reiserouten und komfortablere Kabinen gibt - sofern man in der damaligen Zeit (19. Jahrhundert) das Glück hatte, letzteres zugeteilt zu bekommen).

In Joseph O'Connors "Die Überfahrt" werden drei Schicksale raffiniert miteinander verwoben.






Inhalt und Meinung:
1847, zur Zeit der Hungersnot in Irland: Der Lord und ehemalige Großgrundbesitzer David Merridith geht mit seiner Familie und dem Kindermädchen Mary Duane an Bord der "Stella Maris" in der Hoffnung, sich in Amerika ein neues Leben als Architekt aufzubauen, ohne zu ahnen, dass eine Gesellschaft von vertriebenen Pächtern nach seinem Leben trachtet und zu diesem Zweck den Iren Pius Mulvey als Mörder und Mitpassagier auf ihn ansetzt. Mulvey ist vom entbehrungsreichen Leben gezeichnet; er wird von Crew und Passagieren als Sonderling bezeichnet, höflich zwar, aber doch irgendwie unheimlich und abstoßend. Tatsächlich entwickelt man im Lauf der Geschichte keinerlei Sympathie zu ihm, denn er ist nicht nur skrupellos, sondern schwach und opportunistisch und am Ende ein jämmerliches winselndes Etwas.

Die Kapitel werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, oft in Logbucheinträgen vom Kapitän der "Stella Maris", dann wieder aus Sicht des Lords, Mary Duane und Pius Mulvey oder dem amerikanischen Journalisten Dixon, der ein Verhältnis mit der Frau des Lords hat und darauf aus ist, seinen Rivalen bloßzustellen.

"Die Überfahrt" ist kein einfaches oder erhebendes Buch. Ich hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, was auch an den oft sehr ausführlichen Fußnoten über den historischen Hintergrund lag und der mitunter zu ausschweifenden Eloquenz des Autors, der nicht selten zehn Zeilen für einen Ausdruck gebraucht, um die Vielfältigkeit und Sprachgewalt des irischen Wortschatzes zu unterstreichen. Doch ich mochte Mary Duane, und besonders den feingeistigen und sensiblen Lord David Merridith, der sich als Kind schon in sie verliebt hatte.

Die Rückblenden seiner Kindheit und Jugend sind anrührend beschrieben und zeigen, wie sehr er eigentlich unter seiner privilegierten Stellung und der strengen Hand des Vaters gelitten hat. Zum Ausgleich strebt er ein kameradschaftliches Verhältnis zu seinen eigenen Söhnen Jonathan und Robert an, das nicht ohne Fettnäpfchen vonstatten geht, mir den Lord aber umso liebenswerter erscheinen ließ. Seine Ehe steht schon lange auf der Kippe, nicht zuletzt Mary Duanes wegen, für die er immer noch zaghafte Gefühle hegt. Deren Lebenslauf liest sich - ähnlich wie Pius Mulveys - wie aus einem Dickens-Roman: traurig, trist und dennoch voller Tragödien und Entbehrungen. Beide Männer, die sie einst liebte, sind mit ihr auf dem Schiff, und von beiden erwartete sie Kinder, die entweder bei der Geburt starben oder aus Verzweiflung im hungernden Irland vom Adoptivvater getötet wurden. Bis zuletzt bleibt ihre Herkunft im Dunkeln, doch eine wirkliche Überraschung war sie nicht mehr wirklich, obwohl ich aufgrund des Umfangs des Buches nicht mehr genau weiß, ob sie zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt wurde. Auch das Ende des Lords ist abzusehen und vorgezeichnet - selbst wenn der Mord an dem armen Nichtsahnenden angesichts seiner gesundheitlichen Lage zum Schluss der Reise beinahe als Gnadentod zu werten wäre.

Überhaupt: Die Schilderungen von Mord, Elend, Not und Verzweiflung im Allgemeinen und den Zuständen auf der "Stella Maris" im Besonderen sind teilweise recht krass und nichts für zartbesaitete Gemüter. Es geht mir dabei nicht so sehr um die vielen, ohne Zweifel beklagenswerten Todesfälle an Bord, sondern vor allem um die Grausamkeit Mulveys und die fatalistische Hoffnungslosigkeit der Nebenfiguren. Beileibe kein Feel-Good-Buch, aber interessant für geschichtlich Interessierte.

Fazit: Nach einer gewissen (und etwas zähen) Eingewöhnungszeit möchte man schon wissen, wie es weitergeht mit den Charakteren; die Geschichte ist spannend und gut erzählt, doch ganz ehrlich: richtigen Spaß hatte ich bei "Die Überfahrt" nicht. Ein bisschen mehr Leichtigkeit hätte trotz oder gerade wegen des ernsten Themas nicht geschadet. Deprimierend, an einigen Stellen verwirrend, ohne Humor oder einen Funken Hoffnung für die Beteiligten, die mir aufgrund der häufigen Perspektivenwechsel erstaunlich fern bleiben, kann ich den Roman trotz seiner Raffinesse und sorgfältiger Recherche nur Geschichtsfans und geduldigen Stoikern empfehlen.


Bewertung: 





Freitag, 12. August 2016

Review "Eine dunkle Begierde" ~ A Dangerous Method (2011)

Zurzeit durchlaufe ich meine "Fassy-Phase". Das hat nichts mit Michael Fassbenders stahlblauen Augen zu tun oder damit, dass ich ihn als Schauspieler besonders toll fände. Vielmehr - so denke ich - sind Heimatgefühle mit im Spiel: Michael Fassbender wurde als Sohn eines Deutschen in der Stadt geboren, in der ich gerne bummeln gehe, nur knapp 30 km von meinem Wohnort entfernt. Da macht es mich schon ein bisschen stolz, dass er mittlerweile zur internationalen Schauspielriege gehört. Und na ja, er ist nicht mein Typ mit dem seltenen Nussknackerlächeln, aber hässlich nun auch wieder nicht...^^




Gestern habe ich mir "Eine dunkle Begierde" angeschaut, ein Semi-Biopic über die Beziehung von Sigmund Freud (ein nicht zu erkennender Viggo Mortensen) und Carl Gustav Jung (Michael Fassbender). Mitmischen musste durfte auch Keira Knightley, die ich leider so gar nicht abkann. Vielleicht ist sie für viele Männer die neue Audrey Hepburn, aber ich finde sie übertrieben in jedem Film, den ich bisher mit ihr gesehen habe. Auch als die frühere Jung-Patientin und spätere Psychoanalytikern Sabina Spielrein macht sie keine rühmliche Ausnahme. Gewissenhaft hysterisch und irgendwie trotzdem steif und unglaubwürdig porträtiert sie Spielrein, die sich in Jung verliebt und zu dessen Mätresse sie wird. Eigentlich wollte Jung sie mit der von Freud entwickelten "Sprechtherapie" heilen, doch der Schuss geht nach hinten los: seit sie als Kind geschlagen wurde, steht sie auf Demütigungen und lässt sich am Nachmittag gern mal von Jung mit dem Rasierriemen verdreschen. Der tut das zwar eher widerwillig, kann aber nicht von Fräulein Spielrein lassen (ganz unter uns: die gleichgültige Eleganz, mit der Fassy Frau Knightley den Hintern versohlt, hätte ihn für mich zu einem Uber-Christian Grey qualifiziert). Trotz Frau und vier Kindern trifft er sie immer wieder mehr oder weniger heimlich (Achtung Wortspiel!).


"Hit me, Stupid!"


Sigmund Freud weiß lange nichts davon, doch er hält Jung ständig unter die Nase, dass aller Ursprung und die Muster menschlichen Verhaltens stets in der Sexualität zu finden seien - eine Theorie, die Jung zu simpel erscheint und die letztendlich zum Bruch zwischen ihm und seinem großen Vorbild führt; schließlich sollte es mehr geben, was die Welt im Innersten zusammenhält. Als Jung endgültig eigene Wege und auf die Suche nach dem Innersten geht, erhält Freud noch einmal Besuch von Sabina und muss eingestehen, dass Frauen eventuell auch ganz passable Psychoanalytiker abgeben könnten.

Die letzte Begegnung zwischen ihr und Jung verläuft weniger bravourös: sie ist jetzt die toughe Superfrau, während er ihr immer noch nachweint und einen unzureichenden Ersatz aufgetrieben hat, nämlich eine weitere Patientin. Und vielleicht - vielleicht hat das Innerste doch mit dem Instinkt zu tun...

Meinung: Ein bisschen fad, langweilig und profan war's. Von einem Werk des innovativen und kontroversen David Cronenberg habe ich mir mehr versprochen (warum eigentlich?). Schöne Innenaufnahmen, tolle Kostüme und die liebliche Bodenseelandschaft - gedreht wurde in Überlingen und Konstanz - machen den Kohl nicht fett.

Auch waren die Dialoge teilweise verwirrend für psychologische Laien, dann wiederum zu oberflächlich und politisch, und wirkliches Interesse konnte keiner der drei Protagonisten bei mir wecken - das macht für mich immer ein gutes Biopic aus: wenn ich mehr über die dargestellten historischen Persönlichkeiten wissen möchte.


"Ist das wirklich Aragorn?"


Fazit: Malerische Kulisse, eine nervige Keira Knightley und ein bisweilen zu behäbig erzählter Film, in dem die Thematik und die Beziehung zwischen Freud und Jung für mich nicht wirklich ausgereizt wurden. Da hätte man mehr draus machen können.

Bewertung: 

                                ganz knappe drei



Sonntag, 31. Juli 2016

Canva ~ Designerprogramm für (angehende) Profis

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer (noch nicht absolvierten) Facebook-Challenge das Bildbearbeitungsprogramm CANVA kennen gelernt. Canva wirbt mit dem Slogan "unglaublich einfaches Grafikdesign", und wenn ich ehrlich bin, fand ich es anfangs *so* einfach nicht. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich hobbymäßig andere Programme nutze und von deren Benutzerfreundlichkeit eher überzeugt war. Allerdings lohnt sich das Beschäftigen mit Canva, denn man kann sehr schöne und ansprechende Spruchbilder entwerfen, wie man sie allenthalben im Netz sieht und bewundert.


Mein Canva zum Thema "Freundschaft"



Etwas knifflig ist das Einfügen von Text und das passgenaue Zuschneiden - ich bin noch nicht dahintergekommen, wie man das elegant und ohne langes Gefummel gestalten kann und die Textvorlage in verschiedene oder einheitliche Schriftarten ändert. Trotzdem gefällt es mir, mich damit zu befassen, denn die Mühe wird mit einem einzigartigen  "Canva" belohnt. Und selbst Gestalten ist doch immer besser als kopieren. Besonders für Fanseiten auf Facebook oder für Blogs / Webseiten bietet sich eine solche Möglichkeit an. Somit verletzt man keine Urheberrechte und kann seiner Seite einen ganz individuellen Touch verpassen. Ein super Werkzeug! Probiert es einfach mal aus. Übung macht den Meister!


Mein erstes vorzeigbares Canva zum Thema Schreiben


Hier ist noch einmal der Link: CANVA. Die Anmeldung ist kostenlos, ebenso wie viele Bilder und Grafiken. Natürlich kann man auch eigene Bilder hochladen. Ich werde das Programm jedenfalls in Zukunft öfter nutzen.


Freitag, 15. Juli 2016

Review "Der Mann ohne Gesicht" (1993) ~ Mel Gibson - Leichte Spoiler -

Filme wie diesen muss man suchen. Eine Perle, die heute kaum jemand mehr kennt, und Mel Gibsons Regiedebüt (für die Küken unter uns: der Michael Fassbender der 1980er und 1990er Jahre), ist "Der Mann ohne Gesicht" eine Charakterstudie zweier Menschen, die sich aufgrund ihrer Andersartigkeit und der Reaktion auf ihr soziales Umfeld finden und sich gegenseitig helfen. Das Thema ist nicht neu, und dennoch habe ich es selten so sensibel und zugleich unterhaltsam umgesetzt gesehen.



Inhalt: Sommer 1968: Der zwölfjährige Charles lebt mit seinen beiden nervigen Halbschwestern und der heiratswütigen Mutter in einem Küstenort in der Nähe von Boston. Aufgrund gelegentlicher Absencen und Konzentrationsschwäche gilt er als geistig minderbemittelt und besteht die Prüfung zur weiterführenden Schule nicht. Da er jedoch unbedingt aufs College möchte, lernt er durch einen Zufall oder die Fügung den ehemaligen und schroffen Lehrer Justin McLeod (Mel Gibson) kennen, der in einem großen Haus am Rande der Stadt mit Hund und Pferd ein Eremitendasein führt. Nicht zu Unrecht, wie sich herausstellt. McLeods Vergangenheit und die Brandnarben an Gesicht und Körper stempeln ihn zum Freak und "Matschkopf" ab, und der Dorfklatsch tut ein Übriges. Charles "Chuck" Norstadt lässt sich weder von Gerüchten noch von der abweisenden Art McLeods einschüchtern, und bald entwickelt sich eine Freundschaft, von der beide profitieren. Chuck findet eine Vaterfigur in McLeod, während dieser neuen Lebensmut schöpft. Doch die Beziehung der beiden ungleichen Außenseiter bleibt nicht ohne Aufsehen und Folgen...





Meinung: Allein die Zeit, in der die Geschichte spielt, finde ich faszinierend. Retrocharme, wenn er gut gemacht ist, kann ich mich nicht entziehen. Und er war gut gemacht! Eine Citroen DS, niedliche, altmodische Küstenwohnungen, bunte Mode, das sommerliche Setting und Flower Power-Flair tragen viel zur Atmosphäre bei, und die Schauspieler wirken ebenso authentisch. Besonders Mel Gibson als McLeod liefert eine Glanzleistung. Zwar hat der Mann durchaus keinen Grund zum Lachen, doch man spürt als Zuschauer, dass er sich mit der Situation abgefunden hat, wenn auch recht widerwillig. Er gibt sich die Schuld an dem Unfall, der zu seiner Entstellung führte, meidet Gesellschaft und geht erst nach Geschäftsschluss im Krämerladen einkaufen, um niemanden zu begegnen.

Durch Chuck lernt er allmählich wieder, sich gebraucht und akzeptiert zu fühlen. Umgekehrt geht es dem Jungen genauso; seine Zuneigung zu dem älteren Mann hat fast schwärmerische Züge, und auch das war schön und unschuldig porträtiert von dem damals vierzehnjährigen Nick Stahl. Gelegentlich war er mir ein bisschen zu aufgedreht, aber naja, Chuck ist ein Prepubertierender mit Geltungsbedürfnissen, und er hat mit McLeod viel nachzuholen, was er in seinen harten ersten Lebensjahren nicht erfahren durfte. Ein wenig Klischee wie die idealisierte und dann zerstörte Vater-Sohn-Beziehung musste auch rein, aber da der Film so toll ist, war das völlig ok. Weniger toll fand ich die etwas zu schwülstige Musik von James Horner, der damals wohl schwer gefragt war. Da wären moderne Evergreens passender gewesen - bestimmt gibt es welche, die melancholisch genug sind ("Moon River" zum Beispiel, das auf einer Party gespielt wird). Oder etwas weniger Schweres.

Gänsehautmomente gab es viele. Sehr berührend ist die Szene, in der McLeod im Rahmen von Charles' Prüfungsvorbereitungen Shakespeares "Kaufmann von Venedig" zitiert, und ich glaube, ich muss die Szene youtuben.





Am allerbesten gefallen hat mir allerdings das Haus - fast schon eine Villa - in der Mel Gibson haust. Und die psychologische Komponente des Films. Nicht nur, dass sich zwei "Freaks" fanden - sie haben ihre Ängste und Schwächen mit gegenseitiger Hilfe überwunden und konnten ihrem Leben Sinn geben. Gut daran war auch, dass McLeods Vergangenheit relativ offen bleibt und man als Zuschauer nicht genau weiß, wie und wo er sein neues Leben begonnen hat und ob er am Ende kein Eremit mehr ist. Trotzdem ein stilles, hoffnungsvolles Feel-Good-Movie mit der richtigen Balance zwischen Unterhaltungs- und Besinnlichkeitsfaktor, ohne in Kitsch abzudriften.

Fazit: Hätte für mich das Zeug zum Klassiker. Aber das hat ja dann "Braveheart" ein paar Jahre später geschafft.

Bewertung:

und ein halber